Manuel Liñán – Bailaor@
Bis auf den letzten Platz besetzt war das Teatro de la Maestranza am gestrigen Abend und das bei immerhin fast 2000 Plätzen. Die Stimmung war bestens und die Erwartungen groß. Manuel Liñán hat sich seit ¡VIVA! einen grenzüberschreitenden Fanclub erobert, der im Moment nur von Sara Baras übertroffen wird. Was bedeutet, dass der Beifall schon aufbrandet, bevor er überhaupt zu tanzen beginnt.
Diesmal natürlich zu Recht, denn die Alegría mit Mantón und Bata de Cola würde ich mir am liebsten einrahmen.
Nicht nur mit der ungeheuren Intensität, wobei die Energie sofort auf das Publikum übersprang, mit der er von Anfang an die Bühne einnahm oder der Kraft, mit der er die Bata und das wunderschöne Tuch bewegte, auch nicht mit der Präzision, mit der alles zusammenspielte, beeindruckte er, sondern vor allem mit dem Fliegen des Mantón, der sich bewegte, als hätte er ein Eigenleben, als würde er in jedem Moment davonfliegen und sich in die Lüfte erheben. Das macht ihm keiner nach, da müsste man wirklich lange suchen.

Er hatte Überraschungen versprochen und die erste erschien in Person von Miguel Poveda, der sich mit seiner Guajira erfolglos gegen die koketten Annäherungsversuche des zartrosa gewandeten Manuel Liñán mit Fächer und -Gott sei Dank – ohne Perücke zu wehren versuchte, die zweite war der so besondere und oft zu Unrecht unterschätzte Bailaor Rafael Campallo, der mit seinen Tangos einen der Höhepunkte des Abends darstellte. Seine Subtilität in den kleinen Bewegungen, sein Spiel mit dem Halstuch, seine feinen Zapateados und seine Spielfreude begeistern mich immer wieder.

Liñán holte dann seine Begleiter aus seinem erfolgreichen Stück Muerta de amor auf die Bühne und auch das passte noch gut, vor allem dafür, dass wir dachten, das wäre das Ende und wir wären freudig nachhause gegangen. Nicht zu vergessen auch seine musikalischen Begleiter, besonders der Gitarrist Francisco Vinuesa, die hervorragend waren.
Was dann kam, war vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen und sollte wohl eine Hommage an seinen früheren Lehrer Mario Maya sein, stellte aber einen Bruch dar, den er nicht mehr reparieren konnte, denn sowohl ein Tomasito, den wir schon viel besser gesehen haben als auch die Alegría am Ende, diesmal in Hose und Jäckchen hätte er sich besser für das nächste Stück aufheben sollen, wenn überhaupt. Und die überflüssigen Manifestationen für Freiheit, Gleichheit und Schwesterlichkeit hätten wir auch so verstanden.

Aber gut, das Publikum feierte den Tänzer aus Granada mit anhaltendem Beifall und das hat er sich auch verdient.
Manuel Liñán
Bailaor@
Teatro Maestranza
22.09.2026
Bienal de Sevilla
Fotos: Laura León
Text: Susanne Zellinger