Te atrevo
Gestern Nacht im Teatro Central …… . Wenn die Musiker eines Ensembles allein bestehen könnten und man ein erstklassiges Konzert sehen wird, dann sagt das schon etwas über eine Vorstellung aus, zum Beispiel in der Auswahl der Musiker oder dass an der Tontechnik eine Person saß, die ein feines Gehör hat und die Zuschauer nicht mit orgiastischen Lautstärken quält und dass für die beiden Hauptfiguren die Musik genauso wichtig ist wie der Tanz, was man ja nicht von allen behaupten kann.

Der exquisite Cante von Ismael El Bola und Pechuguita, zwei so unterschiedliche Sänger, die im Moment zum Besten gehören, was der Cante der jungen Generation zu bieten hat, Juan Campallo an der Gitarre, wie immer einfallsreich, innovativ und kompositorisch ein Genie und Paco Vega an der Perkussion, einfühlsam und dezent, aber unentbehrlich – was soll ich sagen, die vier sollten darüber nachdenken, eine Combo zu gründen. Einfach großartig.
Águeda Saveedra und Juan Tomás de la Molía sind zwei der jungen Talente, die immer Aufmerksamkeit erregen, weil sie tänzerisch hervorragend sind und weil sie beide ihre Persönlichkeit in ihren Tanz bringen. Nun ist das als Paar ja gar nicht so einfach. So schwelgte Águeda in einem Dramatismus, der schnell ermüdet und Juan Tomás in einem Übermaß an technischen Fähigkeiten, die ihn manchmal fast überrollen.

Viele der Regieideen waren zu offensichtlich und schon gesehen, die Schattenspiele waren, obwohl sehr gut gemacht, so präsent, dass man eher auf die Projektionen schaute als auf das, was auf der Bühne passierte, Juan Tomás wiederholte eine Szene aus Muerta de amor von Manuel Liñán, der ja auch für die Regie verantwortlich war.

Juan Tomás ist das, was man umgangssprachlich als Rampensau bezeichnen würde und hier half mir die KI um es etwas feiner auszudrücken: Eine Rampensau ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für eine Person, die leidenschaftlich gerne im Mittelpunkt steht, die Bühne liebt und es versteht, andere mit ihrer Energie und Präsenz mitzureißen. Und das tut er.

Das Beste kam gegen Ende in der zum Teil sitzend getanzten Soleá, die die Ovationen des Publikums provozierte – das muss ihm erst jemand nachmachen. Der Einzige, der mir dazu einfällt, ist Rafael Estévez mit seinem Pregón. Auch Águeda fand in der Soleá die Balance zwischen Dramatismus und wahrem Ausdruck und bewies, dass sie zu Recht für Sí, quiero einen Preis für die beste Neuentdeckung beim Festival de Jerez erhielt.

In der vergnüglichen Endszene tauschten die beiden die Rollen und die Kleider und erklärten ein wenig, was der Titel Te atrevo für sie bedeutet: Ich wage es mit dir zu tanzen und bleibe doch ich selbst.
Juan Tomás de la Molía und Águeda Saavedra
Te atrevo
Teatro Central
23.09.2026
Fotos: Laura León
Text: Susanne Zellinger