Man sollte dich erschießen …

Un tiro te peguen – was für ein Titel für ein Buch, das blaue Buch, das sanfte, blaue Buch, das ich mit mir trage, seit ich es bekommen habe, das samtweiche, blaue Buch, das ich berühre und das mich berührt.

Es hat blassblaue Seiten und folgt keinem Muster. Es ist ganz es selbst. Es erzählt keine Geschichte und doch ein ganzes Künstlerleben. Und ein ganzes Sein. Es geht zurück an den Anfang und legt sich behutsam in das Kind, das Julio Ruiz einmal war und nicht mehr ist.

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Denn nun ist er groß und stark und schön und dennoch ist da noch dieses kleine Sein, der Junge mit den Schwanenfedern, die er eine nach der anderen verliert, und mit ihnen seine Unschuld. Die er sich zu bewahren sucht, obwohl er die Wahrheit kennt.

Y sí, soy un hombre.

Aunque mi nombre huela a verano,

En mí no hay una playa,

más bien una montaña en diciembre

Und ja, ich bin ein Mann,

auch wenn mein Name nach Sommer riecht.

In mir ist kein Strand,

sondern eher ein Berg im Dezember.

Und da ist das Dasein woher man kommt und der Weg wohin man geht,

die Nostalgie und die Wärme der Kindheit und die Erinnerung an die, die dich beschützten

und die dir einen Satz auf den Weg mitgaben:

Jeder ist so, wie er ist

Und das trägst du mit dir jeden Tag

Und du wiederholst es wie ein Mantra

Wenn sie dir sagen

Un tiro te peguen

Jeder ist so, wie er ist

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Natürlich geht es in diesem Buch nicht nur um Julio Ruiz, es geht um seine Stücke, um seine Arbeit, um dieses Finden nach dem was tief in ihm ist und was er in seinen Tanz legt  und zum Licht führt.

Nadie te va a querer como yo

Nadie te va a querer como yo

Nadie te va a querer como yo

Nadie te va a querer como yo

Das wiederholt er hundert mal, in Reih und Glied steht es da, er nimmt sich alle Freiheiten, lässt ganze Seiten leer während andere zum Bersten voll sind und auf manchen steht nur ein Wort. Er bringt den Grafiker zur Verzweiflung und kümmert sich nicht darum, er geht zurück und doch vorwärts, wieder und wieder und entführt uns nach und nach in seine Welt.

Und was braucht diese Geschichte, um ganz sie selbst zu werden?

Nichts.

Julio Ruiz

Un tiro te peguen

Eigenverlag, 2026

Zu bestellen unter julioruizbailaor@gmal.com

Fotos: Susanne Zellinger, Künstlerarchiv

Text: Susanne Zellinger