Eigentlich ist Patricia Guerrero für so ein reifes Werk noch viel zu jung. Die Frau unter dem Joch der christlichen Kirche mit ihren von Männern gemachten Gesetzen und Einschränkungen. Mit der genialen Erfindung des „Mea culpa“, durch das sich die Frauen aller Schichten auf die Brust schlugen um Demut zu zeigen. Und Reue. Und Scham. Und sich beugten. Und sich krümmten und um Vergebung baten, die ihnen oft genug verweigert wurde. Dies ist das Szenario von Catedral. In einem offenen Bühnenraum wurde die Kathedrale durch die hervorragende Lichtregie herbeigezaubert, man hörte förmlich den Hall und hatte das Gefühl, als wäre es kalt.

825051

Dunkle Zeiten, die durchwandert oder durchtanzt werden mussten bis zur Befreiung aus dem Gefängnis des Geistes. Hier wäre etwas mehr Licht schön gewesen, das Fenster, das sich öffnet um das Strahlen der Sonne herein zu lassen, das offene Haar und der abgestreifte Mantel deuteten an, aber lösten nicht die Beklemmung.

Dass hier ein Theaterregisseur, Juan Dolores Caballero, am Werk war, ist offensichtlich und seinen Ideen wird der Flamenco zwar untergeordnet, aber in einer schlüssigen, dem Werk dienlichen Weise.

So wurden den hervorragenden Musikern mit den beiden Brüdern Diego und Daniel Pérez ein Tenor und ein Countertenor zur Seite gestellt, die die mystischen Kirchengesänge, deren Text damals wie heute niemand verstehen konnte, interpretierten. Auch die barocken Kostüme waren nicht gerade tanzfreudig, aber die Damen machten das beste daraus.

825018

Patricia Guerrero überzeugte wie immer durch ihre Kraft und ihre Anmut, sie hat etwas in ihren Bewegungen, das sie immer um eine Sekunde schneller aussehen lässt als ihre Kolleginnen, sie scheint über die Bühne zu fliegen und wenn sie dann endlich die schweren Gewänder abgeworfen hat, haben wir unser kleines Mädchen wieder.

Flamenco Festival

Tanzhaus nrw, 14./15.4.2017

Catedral

Choreografie, Tanz: Patricia Guerrero; Tanz: Maise Márquez, Ana Agraz, Mónica Iglesias; Gesang: José Ángel Carmona; Gitarre: Juan Requena; Perkussion: Agustín Diassera, David „Chupete“; Tenor: Diego Pérez; Countertenor: Daniel Pérez.

Fotos: Klaus Handner