Was bleibt ist das Licht
Als der Vorhang sich hebt, verwandelt sich der wunderbare Bühnenraum des Centro Danza Matadero in eine Fabrikhalle mit dem typischen Fliesenboden und den riesigen, trüben Fenstern, durch die dennoch ein Licht dringt. Und dieses Licht bleibt als Licht der Hoffnung für die kämpferischen Cigarreras, die Arbeiterinnen der Tabakfabriken des XIX und Beginn des XX Jahrhunderts.
Sie haben viel erreicht, so gehörten sie zu den ersten Frauen, denen es gelang, dass ihre Kinder in der Kinderkrippe der Fabriken bleiben durften, wenn sie arbeiteten.
Weit weg von den Bildern, die uns die Literatur von ihnen zeigt, vor allem die Geschichte von Prosper Merimée mit dem Bild der heißblütigen Gitana, die nichts anderes im Sinn hat, als die Männer zu verführen und sie ins Unglück zu stürzen, hat Bizet dieses Bild mit seiner Oper noch verstärkt, eine Oper, die übrigens bis heute zu den am meisten gespielten Opern in den Opernhäusern der Welt gehört.

Auch bei HUMO, der neuen Produktion von Rafaela Carrasco wird diese Assoziation schon kurz nach Beginn durch die bekannten Melodien der Oper verstärkt, die immer wieder in den hervorragenden Soundtrack von Pablo Martin Jones eingeflochten werden. Aus der Dose kam auch die Gitarre von Jesús Torres und das Cello von Isadora O’Ryan.
Gema Caballero überzeigt wie immer durch ihre großarrige Stimme und ihre Intensität, der Grund für die zweite Stimme, einen lyrischen Sopran, erschloß sich mir in keinem Moment.
Wie im Roman beschrieben sind die Mädchen leicht gekleidet und verströmen Lebenslust, reflektieren aber in keinem Moment die Cigarreras, die meist aus bescheidenen Verhältnissen kamen und sich jeden Tag abrackern mussten um überleben zu können.

Die Choreografien werden bestimmt durch den Rhythmus, der ihre Tage kennzeichnet mit ihrem immer gleichen Ablauf, genauso wie das Stakkato der Zapateados von Rafaela Carrasco, das Ticken der Uhr, das Vergehen der Zeit, die Gemeinsamkeit und die Stärke der Frauen.
In ihrem Solo, in dem die Guajira aus einer Habanera auftaucht, zeigt Rafaela Carrasco ihre Schönheit in der Bewegung und ihre Meisterschaft im Tanz.
Warum ich dennoch enttäuscht bin? Weil ich mir etwas anderes erwartet hatte, etwas Tieferes, etwas mehr Wahrheit fern von einer Carmen, die wieder alles überdeckte und mich zurückließ, als wäre ich bei einem Fest gewesen und hätte nicht einmal gelacht.
Rafaela Carrasco
Humo
Centro Danza Matadero
https://www.centrodanzamatadero.es
19.04.2026
Fotos: Carmen Segura
Text: Susanne Zellinger