Nicht alles was glänzt ….

Die Sala Compañía war brechend voll, selbst auf den Plätzen im ersten Stock drängten sich die Journalist:Innen erwartungsvoll ob der interessanten Kombination von Flamenc@s, die das Stück Los Magníficos – Die Prächtigen, die Großartigen oder was auch immer  auf der Bühne vereinen sollte. Die Bedeutung des Titels hat sich mir nicht erschlossen.

Aber, auf die Gefahr hin, das Resumée vorwegzunehmen, nicht alle Gegensätze funktionieren, auch wenn sie einander anziehen.

Sandra Carrasco, Cantaora aus Huelva, ist mit Sicherheit eine der gefragtesten Sängerinnen der Gegenwart, wegen ihrer Stimme, ihrer Sensibilität und ihrer hohen Musikalität. Was sie zu Beginn mit ihrer Malagueña auch unter Beweis stellte, begleitet von einem brillanten David de Arahal an der Gitarre.

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Im späteren Verlauf irritierte sie mit ihrer völlig unnötigen Überinterpretation des Tangos Nostalgias mit dem Text von Enrique Cadícamo, der schon alle Tragik in sich trägt

Quiero emborrachar mi corazón
Para apagar un loco amor
Que más que amor es un sufrir

und wobei ich mich sehnsuchtsvoll an Mayte Martín und ihre Version desselben erinnerte, aber dazu später.

Außerdem fühlte Sandra Carrasco sich sichtlich unwohl, was auch ihre ständiges Zupfen an ihren Mikros oder Ohrbügeln erklären würde.

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Der Pianist Andrés Barrios hat bestimmt Qualitäten, die er mit seiner ausschweifenden Improvisation über La Tarara bewies, obwohl meiner Meinung nach Impros über so bekannte Themen überflüssig sind, aber bitte. Ermüdend fand ich auch sein Stampfen mit dem Fuß, er hätte ja auch mitsingen können, wie Glenn Gould, das wäre weniger störend gewesen.

Die Kombination mit El Yiyo hätte spannend sein können, war sie aber leider nicht, dieser attraktive junge Tänzer aus Badalona, vom Stil her würde ich ihn zwischen Farruquito und Joaquín Cortés platzieren, passt einfach nicht in diese intime Szenerie, da war alles zu laut, zu wild und die Bühne eigentlich zu klein für sein Temperament.

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Die weißen Nelken, die er für Sandra ausgestreut hatte, nahm sie bei ihrem dramatischen Abgang wieder mit. Schade eigentlich, denn ich bin ein Fan von Sandra Carrasco, aber wie gesagt, nicht immer funktioniert alles wie geplant und die Kunst lebt ja auch von Irrtümern.

Auf dem Weg zum Teatro Villamarta dachte ich darüber nach und kam zu dem Schluss, dass Wagnisse belohnt werden sollten und dass Sandra Carrasco die Blumen sehr wohl verdient hatte.

Sandra Carrasco, Andrés Barrios, El Yiyo, David de Arahal

Los Magníficos

Sala Compañía

1.3.2026

www.festivaldejerez.es

Fotos: Esteban Abion

Text: Susanne Zellinger