Y se hundió la Babilonia ….. porque le faltó el cimiento
Wie ein Felsblock stürzte gestern das neue Stück von David Coria auf mich herab, nicht weil es wehtat, sondern weil es so eine Wucht hatte, dass ich mich noch heute davon erholen muss. Das bisher einzige wirklich zeitgenössische Stück um Festival hinterließ einen Impact, den ich zum letzten Mal bei Pina Bausch in Wuppertal erlebt habe.
Ein Tanzen bis zur Erschöpfung, ein Thema, das bis ins letzte durchdacht und erdacht wurde, in jeder Letra, in der Musik, sogar Kurt Schwitters Ursonate tauchte dazwischen auf, ein seltener Moment im Flamenco, und noch dazu ergab es einen Sinn, was man ja nicht von allen Stücken sagen kann.

Der Turmbau zu Babel liegt diesem Stück zugrunde, ein Turm, der bis zum Himmel reichen sollte, aber es gab einen Gott, der den Hochmut der Menschen bestrafte, indem er ihnen die gemeinsame Sprache nahm und sie entzweite. Aktueller könnte ein Thema nicht sein, wenn man daran denkt, was heute in der Welt passiert.

Ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben gelingt es David Coria mit seinen sieben Tänzer:innen einen Moment in der Geschichte darzustellen, an den wir uns erinnern werden. Cristina Hall, Lucía La Bronce, Polina Sofía, Kotoha Setoguchi, Gia Medina,Yardén Amir und Federico Núñez kommen aus aller Frauen Länder, aber auch das wird auf eine geniale Weise dargestellt, wenn sie nämlich zu Beginn mit David Coria vor dem verschlossenen Vorhang in Trainingskleidung auf der Bühne sitzen und sich in ihren jeweiligen Sprachen miteinander unterhalten, hat man das Gefühl, als würden sie sich perfekt verstehen, was sie in der gesamten Choreografie auch beweisen.

Selten sieht man im Flamenco eine so durchgehende, schlüssige Choreografie, in der kein Schritt zu viel und keiner zu wenig getan wird. Alles fließt.
Die Verdichtungen und die Auflösungen, die solistischen Momente, die fast akrobatischen Turmbauten und ihr Fallen, die Gruppen der Körper, die wie die Wellen der Brandung an die Baluarten stoßen, dort zerbrechen und einen neuen Anlauf nehmen, die nicht aufgeben, sich wieder sammeln und erneut an ihre Grenzen stoßen. Das alles sieht und spürt man in dieser genialen Choreografieführung des David Coria.

Nicht zu vergessen natürlich den anderen David, diesen David Lagos, dessen Stimme keine Grenzen zu kennen scheint und der sich auf jedes Abenteuer einlässt, wenn sein Gefährte ihn ruft.

Seit den Bailes robados hat David Coria wieder einen Riesenschritt nach vorn getan und ich bin neugierig, wohin sein Weg ihn noch führen wird. Er fordert uns heraus und das macht er gut, denn heute war er Tagesgespräch. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, was man bei diesem Festival alles zu sehen bekommt.
Compañía David Coria
Babel
Centro social Blas Infante
2.3.2026
Fotos: Rina Srabonian
Text: Susanne Zellinger