„Soledad del alma mía“ – „Einsamkeit meiner Seele“ singt María Marín am Beginn dieser Reise durch die Nacht, oder besser durch die Nächte, denn es sind drei ganz verschiedene Nächte, um die es in diesem Stück geht: Die erste ist die vor der Geburt, beschützt und verborgen im Uterus der Frau. Die zweite ist die des täglichen Lebens, in die wir uns jeden Abend am Ende des Tages flüchten. Die dritte ist die ewige Nacht nach dem Tod.

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Die Nacht ist weiblich wie Nyx, die griechische Göttin der Nacht. Sie ist eine der fünf Urgöttinnen, die aus dem anfänglichen Chaos entstanden. Sie heiratete ihren Bruder Erebros und hatte mit ihm zwei Kinder, Aither, den Gott der Luft und Hemera, die Göttin des Tages.

Und trotz der Dunkelheit in der sich „Todas las noches“ abspielt ist, auch die Luft und das Licht des Tages zu spüren, es ist keine traurige, angsterfüllte Nacht, sie ist tröstlich und erfüllt von Zuneigung und Zärtlichkeit.

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Zwei vollkommen unterschiedliche Tänzerinnen haben sich hier gefunden: Sara Cano, die starke, ruhige, erdige und Vanesa Aibar, die fiebernde, unstete, fordernde. Sie halten sich aneinander fest und geben sich Halt aber sie lassen auch wieder los ohne etwas zu fordern.

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Sara Cano mit ihrem zeitgenössischen Fließen und Vanesa Aibar mit ihrem punktuell eingesetzten Zapateado reisen durch ihr eigenes Universum, sie brauchen dazu niemanden, sie reisen allein und doch gemeinsam. María Marín ist eine großartige Begleiterin mit Stimme und Gitarre, die manchmal ihre Wege kreuzt.

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Wenn sie aus ihrem Traum erwachen ist es als wäre nichts passiert, aber in dieser Nacht ist viel geschehen und die Bilder bleiben im Gedächtnis.

Sara Cano, Vanesa Aibar, María Marín „Todas las noches“

16.04.2022

tanzhaus nrw

Fotos: Albrecht Korff

Text: Susanne Zellinger