Babel. Torre viva – und wie er lebt!

Hat Babel nicht auch mit Verwirrung zu tun? Aber natürlich, das sagte ja schon Moses, wie Sie im Folgenden sehen können:

Und die ganze Erde hatte eine Sprache und dieselben Worte

Und der Herr zerstreute sie von dort über die ganze Erde; und sie hörten auf, die Stadt zu bauen. Darum gab man ihr den Namen Babel; denn dort verwirrte der Herr die Sprache der ganzen Erde, und von dort zerstreute sie der Herr über die ganze Erde“ MO 11,1-9

 Nun meine Verwirrung gründete sich auch auf die Sprache, aber die des Tanzes, denn David Lagos, dieser unglaubliche Sänger, den ich schon so oft gehört habe und über so viele Jahre, enttäuscht einfach nie, er ist so überragend und intensiv in seinem Cante, ganz abgesehen von seinen stimmlichen Qualitäten, dass er für viele der beste Cantaor des Augenblicks ist.

David Coria presenta Babel, Torre Viva, en el Teatro Lope de Vega, Sevilla, a 29 de septiembre de 2026. Fotografia: Archivo Fotográfico Bienal de Flamenco @Laura León
David Coria presenta Babel, Torre Viva, en el Teatro Lope de Vega, Sevilla, a 29 de septiembre de 2026. Fotografia: Archivo Fotográfico Bienal de Flamenco @Laura León

Sehr lyrisch und interessant auch der musikalische Beginn mit Juan M. Jiménez an der Klarinette, der mich an die Prélude à l’après-midi d’un faune von Debussy erinnerte, was ja auch nicht so weit hergeholt ist. Der musikalische Beginn schuf gleich die Dtimmung, die Coria für seine Geschichte brauchte.

Meine Verwirrung gründete sich darauf, dass ich ja schon das Work in Progress in Jerez gesehen hatte und auch darüber berichtet habe, aber das, was ich gestern gesehen habe, war etwas anderes. Die Kritik von Jerez lesen Sie hier.

David Coria presenta Babel, Torre Viva, en el Teatro Lope de Vega, Sevilla, a 29 de septiembre de 2026. Fotografia: Archivo Fotográfico Bienal de Flamenco @Laura León
David Coria presenta Babel, Torre Viva, en el Teatro Lope de Vega, Sevilla, a 29 de septiembre de 2026. Fotografia: Archivo Fotográfico Bienal de Flamenco @Laura León

Und nein, ich habe nichts Negatives entdeckt, ich fand nur diese überbordende Energie nicht wieder, diese Welle, die über mich hin schwappte und mich mit sich forttrug. Es war vielleicht alles ein wenig mehr gedacht oder durchdacht und dadurch wirkte es kontrollierter, weniger impulsiv.

Oder war es das Licht? Brachte die Nüchternheit des Centro Blas Infante in Jerez etwas zum Vorschein, das sich gestern in den barocken Vorhängen des Teatro Lope de Vega, das Gott sei Dank wieder bespielt wird, versteckte?

Keine Ahnung, aber es ist auch nicht so wichtig, denn dieser Turm zu Babel war lebendig und zwar sehr.

David Coria als Solist in seiner Caña begleitet von Juanfe Pérez war wie immer elegant, perfekt und überzeugend, genauso wie seine Tänzer:innen, Lucía la Bronce, Polina Sofia,  Federico Núñez, Felipe Clivio, Kotoha Setoguchi und Yardén Amir.

David Coria presenta Babel, Torre Viva, en el Teatro Lope de Vega, Sevilla, a 29 de septiembre de 2026. Fotografia: Archivo Fotográfico Bienal de Flamenco @Laura León
David Coria presenta Babel, Torre Viva, en el Teatro Lope de Vega, Sevilla, a 29 de septiembre de 2026. Fotografia: Archivo Fotográfico Bienal de Flamenco @Laura León

Ich mochte auch die Internationalität der Tänzerinnen, aber noch mehr mochte ich, dass David Coria sich nicht damit brüstet.

David Coria presenta Babel, Torre Viva, en el Teatro Lope de Vega, Sevilla, a 29 de septiembre de 2026. Fotografia: Archivo Fotográfico Bienal de Flamenco @Laura León
David Coria presenta Babel, Torre Viva, en el Teatro Lope de Vega, Sevilla, a 29 de septiembre de 2026. Fotografia: Archivo Fotográfico Bienal de Flamenco @Laura León

Auf die Gefahr mich zu wiederholen: David Coria ist einer der wenigen Choreografen, die die zeitgenössische Tanzsprache beherrschen und auch verstehen sie anzuwenden.

Cia David Coria

Babel. Torre Viva

Teatro Lope de Vega

29.09.2026

www.labienal.com

Fotos: Laura León

Text: Susanne Zellinger