Ay Farruquito ….

Um diese Kritik zu schreiben, musste ich tatsächlich Goethe und seinen ersten Faust bemühen, der ja nun nicht zu meiner bevorzugten Lektüre zählt, aber es ging nicht anders:

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,
Die eine will sich von der andern trennen;

Aber auch daran bin ich gescheitert. Obwohl ich nach genau einer Minute schon um die Gesundheit meines Gehörs fürchten musste, weil das Getöse von der Bühne sich in einer Lautstärke über den Zuschauerraum verbreitete, der un-er-träglich war. Was denkt er sich nur dabei? Oder der Tonmensch, dessen Namen ich hoffentlich nie erfahren werde.

FARRUQUITO presenta ‘Serás Farruquito: el musical’, en el teatro Maestranza, Sevilla, a 28 de septiembre de 2026. Fotografia: Archivo Fotográfico Bienal de Flamenco @Laura León
FARRUQUITO presenta ‘Serás Farruquito: el musical’, en el teatro Maestranza, Sevilla, a 28 de septiembre de 2026. Fotografia: Archivo Fotográfico Bienal de Flamenco @Laura León

Und wo war José Félix Romero, der ja für die Regie verantwortlich war. Frühstücken? Oder hat er gesagt – Lass es uns noch ein bisschen lauter machen, dann merken sie nicht, was da alles nicht stimmt …

Von den sechs großartigen Tänzerinnen, die über lange Strecken die völlig überflüssigen weißen Möbel durch die Gegend schieben mussten, von den Musikern hinter einem Vorhang, von den Übergängen zwischen den fünf Szenen, von dem vollkommenen Fehlen von Intimität und der bombastischen Lautstärke, wobei die Zapateados, falls sie nicht laut genug wären, manchmal noch durch ein Echo unterstützt wurde uswusf.

FARRUQUITO presenta ‘Serás Farruquito: el musical’, en el teatro Maestranza, Sevilla, a 28 de septiembre de 2026. Fotografia: Archivo Fotográfico Bienal de Flamenco @Laura León
FARRUQUITO presenta ‘Serás Farruquito: el musical’, en el teatro Maestranza, Sevilla, a 28 de septiembre de 2026. Fotografia: Archivo Fotográfico Bienal de Flamenco @Laura León

Und gleichzeitig regte sich die andere Seele in meiner Brust, die aus dem Fanclub Farruquito forever mit dem Fähnchen, das wir zuhause verstecken und dem Aufkleber mit seinem Foto.

Der Abend war unterteilt in fünf Abschnitte seines noch jungen, aber doch schon so von Höhen und Tiefen geprägten Lebens. Das Erbe der Dynastie, nachdem sein Onkel, der andere Farruquito gestorben war, die Lehrjahre im Studio mit dem großen Farruco, der Aufstieg in den Olymp und der tiefe Fall und am Ende die Weitergabe an seine Sohn Juan el Moreno, der ja auch auf der Bühne stand.

FARRUQUITO presenta ‘Serás Farruquito: el musical’, en el teatro Maestranza, Sevilla, a 28 de septiembre de 2026. Fotografia: Archivo Fotográfico Bienal de Flamenco @Laura León
FARRUQUITO presenta ‘Serás Farruquito: el musical’, en el teatro Maestranza, Sevilla, a 28 de septiembre de 2026. Fotografia: Archivo Fotográfico Bienal de Flamenco @Laura León

Was Farruquito an diesem Abend vielleicht am besten vermittelte, war seine Einsamkeit in den Momenten abseits von der Bühne oder vielleicht sogar da.

FARRUQUITO presenta ‘Serás Farruquito: el musical’, en el teatro Maestranza, Sevilla, a 28 de septiembre de 2026. Fotografia: Archivo Fotográfico Bienal de Flamenco @Laura León
FARRUQUITO presenta ‘Serás Farruquito: el musical’, en el teatro Maestranza, Sevilla, a 28 de septiembre de 2026. Fotografia: Archivo Fotográfico Bienal de Flamenco @Laura León

Und eigentlich ist es erstaunlich, dass er sich mit den frenetischen Ovationen seiner Fans zufriedengibt, wenn er viel zu oft an den vorderen Bühnenrand tritt, um sie zu fordern. Denn was die Fans eigentlich sehen wollen, ist Juan Manuel Fernández Montoya, der Märchenprinz, der elegante Tänzer mit der Gitano- Aura, der Vertreter einer der letzten großen Dynastien, wenn’s geht nur mit Gitarre und einem guten Cante. Mehr wollen wir gar nicht.

FARRUQUITO presenta ‘Serás Farruquito: el musical’, en el teatro Maestranza, Sevilla, a 28 de septiembre de 2026. Fotografia: Archivo Fotográfico Bienal de Flamenco @Laura León
FARRUQUITO presenta ‘Serás Farruquito: el musical’, en el teatro Maestranza, Sevilla, a 28 de septiembre de 2026. Fotografia: Archivo Fotográfico Bienal de Flamenco @Laura León

Also was ist es, dass ihn dazu drängt so einen Jahrmarkt zu veranstalten? Angst? Vielleicht.

Vielleicht versteckt er sich aber auch nur dahinter damit die Sensationslust der Zuschauer endlich aufhört in seinen Eingeweiden herumzuwühlen.

Aus mir spricht natürlich die Enttäuschung der Fanin der ersten Stunde, meine Erinnerung an den hübschen Jungen im Sevilla der 90er Jahre als noch alles in Ordnung war und sein Großvater noch den Hut aufhatte und nicht er.

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, ….

Serás Farruquito: el musical

Farruquito

Teatro Maestranza

27.09.2026

www.labienal.com

Fotos: Laura León

Text: Susanne Zellinger