Das Leben kann manchmal ein Fest sein

Wie immer sind die ersten Tage nach Ende des Festivals immer etwas seltsam, es ist wie das Erwachen aus einem Traum. Einem schönen Traum natürlich.

Das Besondere am Festival de Jerez ist die gemeinsame positive Energie, die mich diesmal durch die ganzen zwei Wochen begleitet hat. Von Freundinnen und Freunden, Journalistenkolleginnen und – kollegen, dem großartigen Team und natürlich den Künstlerinnen und Künstlern. Diese Nähe zu allen Beteiligten macht dieses Festival so einzigartig. Es ermöglicht Momente und Gespräche, die die sich sonst nicht ergeben, weil sich nach den Vorstellungen alle in alle Winde verstreuen.

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Unersetzlich ist hier natürlich die Bar La Manzanilla, an der die gesamte Belegschaft vorbeigehen muss, außer sie vermeidet es absichtlich, das kommt vor, aber selten. Unersetzlich auch die Bar La Reja um die Ecke mit ihren Juergas bis in die frühen Morgenstunden und hier wiederum unersetzlich Ulrich „El Rizos“ mit seiner Gitarre und seiner Geduld.

Das vielschichtige Programm brachte in diesem Jahr viele neue Namen, einige bekannte Künstler:innen, die noch nie beim Festival vertreten waren, Kompanien und kleine, aber feine Stücke, moderne und traditionelle. Als neuer Schauplatz war diesmal das intime Teatro La Gotera de Lazotea für zwei Klavierkonzerte dabei, im Barrio San Miguel, das bisher ja eher vernachlässigt wurde. Ein Ort, der sich auch für Vorträge eignen würde, aber das kommt ja vielleicht noch. In der Camara de Comercio fanden interessante Tertulias statt, die großen Anklang fanden und natürlich die außergewöhnliche Performance von José Maldonado anlässlich seiner Ausstellung, bei der der Saal bis auf den letzten Stehplatz besetzt war.

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Die Pressekonferenzen, die ja für alle zugänglich sind, fanden in diesem Jahr im Tabanco El Pasaje statt, wo es zwar eng aber gemütlich war.

Zu meiner Verwunderung wurden die eher kühlen Museos de la Atalaya für diel intimen, kleinen Konzerte gewählt, bei denen nur ein oder zwei Künstler:innen auf der Bühne standen gewählt, was sich aber als hervorragende Idee herausstellte. Bei der CD Präsentation von Ezequiel Benítez oder dem Solokonzert von Yerai Cortés war der Saal vollbesetzt genauso wie beim sensationellen Konzert von Mayte Martín und José Gálvez. Soviel geweint haben wir selten. Was für ein Abend!

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Die Tonqualität war übrigens immer ausgezeichnet, wofür meine sensiblen Ohren besonders dankbar waren.

Auch die großen Kompanien waren ausgezeichnet, allen voran das Nuevo Ballet español unter der Regie von Ángel Rojas und Estévez Paños y Cía  mit Doncellas und  ihrer Juerga ohne Ende, aber auch Jesús Carmona mit seiner Compañía, das Ballet flamenco de Andalucía und David Coria mit Babel.

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Ein Schwerpunkt lag in diesem Jahr auf den Künstler:innen aus Jerez de la frontera und davon gibt es ja wirklich reichlich. Schon bei der Eröffnung hatte Manuela Carpio viele von ihnen auf der Bühne in einer Juerga, die gut und gerne noch ein paar Stunden länger hätte dauern können. Leonor Leal stand gleich zweimal auf der Bühne, einmal im Teatro Villamarta in der vielumjubelten Gala mit Mercedes Ruiz und Salomé Ramírez und einmal im Centro Social Blas Infante mit David Lagos und Manuel Valencia.

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Es gab unglaublich viel zu sehen und zu hören bei diesem Festival, das noch lange in meiner Erinnerung bleiben wird, einige der Höhepunkte kamen erst gegen Ende mit dem herrlichen Magnificat von María Moreno und deinem herausragenden José Maya, der mit seinem Stück Color sin nombre zum ersten mal beim Festival de Jerez zu sehen war.

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Jetzt hätte ich doch fast Farru vergessen zu erwähnen, der in der Sala Compañía, die ja nicht so leicht zu bespielen ist, für Beifallsstürme sorgte. Aber wie gesagt, es fehlen noch viele Namen, aber am besten Sie schreiben sich das Datum für das nächste Jahr schon in den Kalender und kommen selbst hierher.

Fotos: Esteban Abion und Rina Srabonian

Text: Susanne Zellinger

www.festivaldejerez.es