Das Holz der Gitarre
Nach einem frühen Abendprogramm mit Farru in der Sala Compañía war es gar nicht so einfach mich auf La materia der Olga Pericet einzustellen. Die Materie war in diesem Fall das Holz. Das Holz der Gitarre. Die Gitarre und das Holz.
Es dauerte bei mir allerdings ein wenig bis ich zu der Erkenntnis kam. Auf die Gefahr hin mich zu wiederholen: dieses Stück hätte eine Einführung gebraucht. Damit das Publikum mehr davon hat und es mehr genießen kann. Damit nicht am Ausgang als erstes die Frage gestellt wird ob man wüsste worum es ging. Und die Antwort in den meisten Fällen ein – Keine Ahnung! – wäre.

Zwei Nationalpreisträger standen auf der Bühne, begleitet von drei hervorragenden Musikern. José Manuel León an der Gitarre, Javier Rabadán an der Perkussion und Juanfe Pérez am Bass schufen gemeinsam mit dem Sounddesign von Ángel Olalla eine ausgewogene Klanglandschaft, die sich den verschiedenen Gegebenheiten ausgezeichnet anpassen konnten und manchmal sogar das Mandat übernahmen wie gegen Ende bei der hochinteressanten Petenera.

Auch das Licht war schön, wie immer ein wenig dunkel, aber gut, daran haben wir uns inzwischen schon gewöhnt. Was die Kostüme anbelangt konnte ich immer noch nicht ergründen, warum Olga Pericet über lange Strecken im fleischfarbenen Mieder tanzen musste. Aus Angst vor der Nacktheit? Wahrscheinlich, aber nicht sicher. Also lassen wir das.
Was ich verstehe ist die Suche der Flamencas nach Neuem, nach Inspiration, nach anderen Stilen, anderen Künstlern außerhalb des engen orthodoxen Flamencokorsetts.
In diesem Fall war es der Tänzer und Choreograf Daniel Abreu aus Teneriffa, der Olga Pericet dabei half. Interessanterweise hat er auch Psychologie studiert, was an manchen Stellen des Stücks deutlich zu sehen war.

Aber nun zum Tanz von Olga Pericet, die ja schließlich die Hauptfigur war. Ich mochte sie schon immer, weil in dieser kleinen, zarten Person eine Kraft steckt, die man nie vermuten würde. Was auch hier in der großartigen Schlußszene, in der sie endlich nicht mehr lieb sein musste, mehr als deutlich wurde.

Aber auch sonst war sie tänzerisch super spannend mit ihrer Mischung aus Modern Dance und Flamenco, gar nicht zu reden von ihren Anleihen im Locking und Popping, zwei Stile – aus USA natürlich -, die nicht für alle erkennbar sind.
Ich bin neugierig auf den dritten Teil der Trilogie – denn das war der zweite Teil. Vielleicht sehen wir den ja bei der Bienal im Herbst. La materia. Je mehr ich darüber nachdenke um so besser hat es mir gefallen.
Olga Pericet
La Materia
Teatro Villamarta
22.2.2026
Fotos Rina Srabonian
Text: Susanne Zellinger