Zum dritten Mal fand in diesem Jahr das Festival Guirijondo in Palomares del Río statt, unter der künstlerischen Leitung von Schriftsteller und Flamencologen Manuel Bohórquez, der in diesem Dorf in der Nähe von Sevilla seine Kindheit verbrachte.

Der Name Guirijondo rief nicht nur Zustimmung hervor, aber ich finde ihn sehr treffend und ist eine Initiative, die durchaus ihre Berechtigung hat, wenn man bedenkt, was für eine wichtige Rolle die Guiris heutzutage im Flamenco inne haben.

Nachdem ich in diesem Jahr die Ehre hatte, das Festival mit einem Pregón zu eröffnen, hier ein kurzer Auszug aus meinem Vortrag:

2 Su Vortrag Pepe de Pura

Natürlich gibt es Guiris und Guiris.

Ich kann mich nicht erinnern, dass mich jemals jemand als Guiri bezeichnet hat, denn wie alle Stereotypen ist der Begriff sehr oberflächlich und bezieht sich meistens auf Äußerlichkeiten, ein bestimmtes Aussehen oder Verhalten, besonders im Flamenco.

Dabei denke ich nicht nur an das enthusiastische Klatschen der Touristen beim Besuch eines Tablaos oder ihr Erstaunen über das einstimmige Ole! Bei einer Vorstellung im Theater.

Oft ist der Begriff Guiri eine Beleidigung und abwertend gemeint, auch wenn er von einem Lächeln begleitet wird.

Ein Guiri zu sein ist also keine gute Sache. In der Tat ist es eine lebenslange Strafe.

In diesem Zusammenhang möchte ich einen sehr berühmten amerikanischen Schriftsteller zitieren, der in einem seiner Interviews Folgendes über diese Verachtung und die Situation sagt, in der sich die Guiris manchmal befinden:

Um das zu überleben, muss man sich wirklich in sich selbst vertiefen und sich wirklich neu erschaffen, und zwar nach keinem Bild, das in der Welt des Flamenco noch existiert. Man muss sich durchsetzen, und zwar – das mag sehr seltsam klingen – man muss entscheiden, wer man ist, und die Welt zwingen, sich mit einem auseinanderzusetzen und nicht mit ihrer Vorstellung von einem.

Es ist eine Art Hassliebe. Ich frage mich, wie es mit dem Flamenco aussähe, wenn alle Guiris weggingen. Die Flamencos wollen sie nicht …. Sie wollen sie an ihrem Platz haben, wo sie sie kontrollieren können.  Aber sie wären entsetzt, wenn die Guiris gehen würden. Ich glaube, die Welt würde über ihnen zusammenbrechen.

Natürlich spricht James Baldwin in diesem Interview nicht über die Guiris und den Flamenco, sondern über die Afroamerikaner und ihre Situation in den Vereinigten Staaten.

Aber natürlich ist die Rolle der Guiris im Flamenco genauso wichtig wie die der Afroamerikaner in den Vereinigten Staaten.

Auch in diesem Jahr gab es beim Festival eine ausgewogene Mischung zwischen Vorträgen und Konzerten, das Festival war diesmal Frankreich gewidmet die Verleihung des „Cristina Heeren“-Preises ging an den langjährigen Leiter des Festivals von Nîmes Patrick Bellito.

7 Patrick

Am ersten Abend gab es gleich eine amüsante Überraschung. So hatten sich die beiden Palmeros auf eine falsche Fährte begeben und standen ratlos vor den geschlossenen Toren der Peña von Palomares, allerdings in Palomares bei Almería, also circa 400 km weit entfernt. Das ging sich also nicht mehr aus und so musste der sevillanische Gitarrist El Perla ohne sie durch den Abend kämpfen. Nicht dass er sie gebraucht hätte. Er ist ein wahrer Meister der Gitarre und seine Soleá por Bulería hatte einen Swing, wie ihn nur wenige haben. War er schon als Begleitgitarrist phänomenal, braucht er sich auch als Sologitarrist nicht zu verstecken. Mit Rubio de Pruna am Cante begeisterte er das Publikum im vollbesetzten Saal. Ein Interview mit El Perla lesen Sie hier.

3 El Perla

Den Abschluss am Mittwoch machte der junge französische Tänzer El Luco, frisch, temperamentvoll im Stil von Farruquito mit einem hervorragenden Begleitensemble, allen voran der Gitarrist Mariano Campallo aus der Campallo Familie, der viel zu selten zu hören ist.

4 Lucas El Luco

Am Donnerstag ging es weiter mit einem Vortrag von Manuel Bohórquez über die erste Antología del Cante Flamenco, erschienen in Frankreich, gleich danach folgte ein überaus interessanter Vortrag von José Miguel Hernández Jaramillo über die Kompositionen im Flamenco in Frankreich Ende des XIX. Jahrhunderts, zu denen es auf Spotify einen Podcast gibt, Sonidos olvidados del flamenco. Hören Sie rein, er wird manche romantische Vorstellungen zum Wanken bringen.

5 Vortrag Franzosen

Den Abend beschlossen Mari Peña und Antonio Moya mit einem Recital.

6 Mari Peña

Am Freitag gab es ein interessantes Gespräch mit Patrick Bellito, gefolgt von El payo, el guiri y el gitano, die Kritik lesen Sie hier.

8 El payo, ....

Leider konnte ich das sicher großartige Konzert von Arcángel und Sandra Carrasco in den Baño Árabes nicht mehr sehen, da ich durch den bösartigen Angriff einer giftigen Mücke daran gehindert wurde und zum Arzt musste.

Aber ich freue mich aufs nächste Jahr. Guirijondo 2026 wird  den Niederlanden gewidmet sein.

www.guirijondo.com

Palomares del Río

Fotos: Quico Perez Ventana

Text: Susanne Zellinger