Origen, La semilla de los tiempos

Eine rauschende Ballnacht

Wie ein Rausch verging der Abend am Samstag im Teatro de la Maestranza in Sevilla. Fahmi Alqhai mit seiner Accademia del Piacere und das Ballet Flamenco de Andalucía unter der Leitung von Patricia Guerrero entführten in eine Welt von gestern, vor allem musikalisch.

Zugrunde lag Origen eine Zusammenarbeit der beiden aus dem Jahr 2020 mit dem Titel Paraíso perdido, ein kleines, intimistisches Stück, bei dem sie Gefallen aneinander fanden. Daraus entstand ein gewaltiges Werk mit neun Musikern, dreizehn TänzerInnen und zwei Sängerinnen, das uns in die Welt des Barock entführte und uns die Zeit vergessen ließ. Wie bei einer Meditation zog uns die Musik in seinen Bann, mit einer Chaconne von Bach, einer Passacaglia von Biber, einem Fandango von Santiago de Murcia und der Melodien von Couperin. Wie das Fließen eines Baches, das manchmal zu einem reißenden Fluss anschwoll. Einfach großartig, was die Musik vermag. In keinem Moment dachte ich an die Palos des Flamenco, sie waren bestimmt da, immerhin saßen Dani de Morón und Agustín Diassera auf der Bühne, aber es spielte keine Rolle.

Ensayo general de Orígenes. La Semilla de los tiempos. Teatro de la Maestranza, 17 de mayo, 2025. Fotografia: Laura León

Ganz im Gegensatz zur hervorragenden Lichtregie von Olga García, die uns vom Morgenrot bis zu einer Nacht im Ballsaal alles vorgaukeln kann und wir glauben es.

Das junge Tanzensemble vertraut der Leitung der Choreografin blind und gibt alles. Und so gelingen auch die Verbindungen zwischen höfischem Tanz und den entfesselten Drehungen und Zapateados – entzückend die goldenen Schühchen – die Verdichtungen zu einem einzigen Tanzkörper und die Auflösung in alle Richtungen.

Die Anspielungen auf den afrikanischen Tanz gelangen sensibel und doch eindeutig, die Farben, die bei Patricia Guerrero immer eine Rolle spielen, prägen sich ins Gedächtnis. Besonders diese flammende Rot – die Farbe der Liebe und des Hasses, der Leidenschaft und der Wut, das zerstörerische Feuer und das hoffnungsvolle Morgenrot.

Ensayo general de Orígenes. La Semilla de los tiempos. Teatro de la Maestranza, 17 de mayo, 2025. Fotografia: Laura León

In ihrem in goldenes Licht getauchten Solo mit Konzertmeister Fahmi Alquai zeigt Patricia ihre Klasse, ihr tänzerisches Können und ihre Sensibilität. Ein wunderbarer Moment.

Ensayo general de Orígenes. La Semilla de los tiempos. Teatro de la Maestranza, 17 de mayo, 2025. Fotografia: Laura León

In vielen Szenen ist natürlich auch die Hand von Juan Dolores Caballero spürbar, wie in den Anspielungen auf die Vergangenheit, die ja noch lange nicht so vergangen ist, wie man denkt.

ARTE stellt Origen ab dem 21. Mai online auf arte.tv, es bleibt dann 6 Monate lang online abrufbar.

Origen, La semilla de los tiempos

Accademia del Piacere und Ballet Flamenco de Andalucía

Teatro de la Maestranza, Sevilla

18.05.2025

Fotos: Laura León

Text: Susanne Zellinger