In den Teatros del Canal fand zum zweiten Mal das Festival de la Guitarra statt. Ich konnte zwar nur einmal hingehen, weil es mit dem Festival Tío Luis de la Juliana zusammenfiel. Den Bericht darüber finden Sie hier.

Durch die Berichte der Journalistenfreunde erfuhr ich, dass auch die anderen Abende großartig waren. Das wusste ich aber schon vorher, denn die Gilde der Flamencogitarristen ist im Moment auf einem derart hohen Niveau, dass man zwanzig Abende mit ihnen füllen könnte, allein in Jerez de la Frontera könnte ich zehn aufzählen, die in der allerersten Liga spielen und das Beste daran ist, dass sie alle verschieden sind. Und zwar in jeder Hinsicht. Ich empfehle also allen Veranstaltern, so ein Festival ins Auge zu fassen. Sie werden überrascht sein. Und das Publikum noch mehr. Hier waren alle Vorstellungen restlos ausverkauft.

Am Freitag machte ich mich also in den grünen Saal der Teatros del Canal um einen der besten jungen Gitarristen zu sehen. Allerdings auch den, den ich am wenigsten verstehe.

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Ich kann mich noch gut erinnern, als mein Freund Oliver Farke mich vor vielen Jahren überredete mit ihm nach Amsterdam zu kommen um seinen Lieblingsgitarristen zu hören: Dani de Morón aus Morón de la frontera. Jazzig sei er, modern, schräg  und so weiter und so fort.

Bei seinem Konzert am Freitag war er das alles und noch mehr, vor allem in den ersten beiden Stücken, nämlich total minimalistisch, disharmonisch und ätherisch. Als ob er in Gedanken etwas ganz anderes spielte, als wir hörten. Und natürlich war es interessant, spannend und für Kenner faszinierend. Ich begann erst ab der Farruca mich zu entspannen. Wahrscheinlich bin ich, was die Gitarre betrifft, hoffnungslos traditionell. Ich bin ein Fan von Manuel Valencia. Der spielte übrigens am nächsten Abend und auch er war herausragend.

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Mit auf der Bühne waren bei Dani de Morón La Tremendita, mit neuer Frisur und ganz in Leder und Patricia Guerrero in einem hinreißenden roten Fransenanzug und wie immer aggressiv, scharf wie das Schwert eines Samurai und schneller als sie selbst.

Als Trio waren sie musikalisch perfekt, aufregend und faszinierend.

Nächstes Jahr werde ich wieder hier sein. Ich liebe Madrid.

Festival de la guitarra

Teatros del Canal

24.-27.04.2025

Text: Susanne Zellinger

Fotos Dani de Morón: Demetria Solana

Foto Manuel Valencia: Rafael Manjavacas