Nun hat endlich wieder ein Flamenco der jüngeren Generation Eintritt in die heiligen Hallen des Impulstanz Festivals gefunden und der Andrang des Publikums gab der Entscheidung von Karl Regensburger Recht: es musste sogar eine Zusatzvorstellung eingeschoben werden.
Mit Captura y Fuga, einer Hommage an den vor einigen Jahren verstorbenen Fotografen René Robert, wurde damit ein erster Schritt getan, der hoffentlich in den nächsten Jahren seine Fortsetzung finden wird.
Der Tragödie seines Todes, er war im kalten Pariser Winter auf der Straße gestürzt und nachdem ihm niemand zu Hilfe kam, starb er eben dort, einsam und allein.
Weit weg von einer dramatischen Aufarbeitung seines Todes präsentiert José Manuel Álvarez ein konzeptuelles Werk, dem vor allem die Fotos von René Robert als Ausgangsbasis dienen.
In einer Collage aus Bildern, Bewegung und Musik legt Álvarez den Weg von der Aufnahme über die Bearbeitung bis zum fertigen Bild zurück. Bruchstücke von Bewegungen, Posen, stillen Momenten und frenetischen Stimmen aus einer Juerga fügen sich zu einer Geschichte der von Robert aufgenommenen Momenten zusammen, die nicht immer einen Zusammenhang erkennen lassen, aber das war wahrscheinlich auch nicht das Ziel. Eher dachte ich manchmal an einen Dialog zwischen Gestern und Heute, an den Weg und das Ziel, die Erinnerung und die Dankbarkeit dafür, was sie gegeben haben.
Die in den Projektionen festgehaltenen Großen des Tanzes, von Manuel Marín und Manolete über Antonio Gades,
Belén Maya , María Pagés und vielen anderen hält die Stimme von René Robert fest in ihrer Vergänglichkeit und bannt sie auf Papier für die Ewigkeit, eine schöne Idee. Aber eigentlich fand ich während des ganzen Abends eher die Spuren von José Manuel als von René Robert.
Aber auch die Entwicklung eines Tänzers mitzuverfolgen ist faszinierend und bei José Manuel Álvarez auch schlüssig. So wagt er sich bei Captura y fuga in ganz neue Gefilde und man darf gespannt sein, wohin ihn dieser Weg noch führt.
Mit der Musik würde ich mich aber noch einmal beschäftigen, denn die Mischung aus elektronischer Musik und Originalaufnahmen übernimmt manchmal zu laut die Regie und übertönt die durchaus poetischen Momente, in denen José Manuel Álvarez seine schönen, eleganten Bewegungen zeigt, die mit viel Beifall belohnt werden.
José Manuel Álvarez
Captura y fuga
4.8.2026
Fotos: Luis Lacau
Text: Susanne Zellinger