Festival Flamenco Tío Luis, El de La Juliana, Madrid

Joni Jiménez und der Flamenco des XXI Jahrhunderts

Mit einer Banda muy flamenca eröffnete der junge Gitarrist Joni Jiménez das diesjährige Festival Tío Luis, El de La Juliana im Colegio Mayor Isabel de España im Universitätsviertel von Madrid.

Geboren im Carrasco Viertel in der spanischen Hauptstadt in eine Gitano Familie voll von Flamenco, sein Onkel ist Rafael Farina, sein Cousin Diego El Cigala trat er schon mit fünf Jahren  in die Fußstapfen seines Vaters Ángel Jiménez und seines Großvaters Vargas Araceli. Der Gewinn des Bordón minero beim Festival in La Unión im letzten Jahr verhalf ihm zum Sprung auf die großen Bühnen als Solist.

Seine Begleitband hätte er nicht besser aussuchen können: und jeder von ihnen hat ein Pedigree, das sich sehen lassen kann.

Manu Fernández an der E-Gitarre, Antonio Losada, der jüngste Sohn des Gitarristen Tito Losada an der Perkussion, José El Gato, Sohn von Niño Josele am Keybord und natürlich der Zeremonienmeister, Querflötist  Juan Parrilla aus Jerez de la frontera, dessen Ahnentafel ich hier gar nicht aufzählen möchte, gaben ein schwungvolles Konzert, das manchmal einer Jamsession glich.

Den Beginn machte aber Joni Jiménez mit einer stimmungsvollen Rondeña und einer interessanten Soleá, etwas schüchtern vielleicht aber mit schönen Melodien und nicht zu vielen Noten. Für mich waren sie perfekt.

Das Quintett unter der charismatischen Führung von Juan Parilla ehrte Chic Corea mit einer Version von Spain und Paco de Lucía mit Zyriab, perfekt gespielt und mitreißend, genial auch die Malagueña del Siglo XXI mit Abandolao, frei nach Antonio Chacón, ein gelungener Auftakt dieses reizenden Festivals.

Joni Jiménez: Gitarre

José El Gato:  Teclado

Manu Fernández:  Guitarra eléctrica

Antonio Losada:  Percusión

Juan Parrilla:  Artista Invitado y flauta traversera

Colegio Mayor Isabel de España

22.04.2025

Juan Tomás de la Molía und Es lebe die Jugend!

Am zweiten Abend ist das Colegio Mayor gefüllt mit Aficionad@s und einer großen Gruppe von Studenten, was für eine Freude, so viele junge Leute bei einem Flamencoabend zu sehen und es erwartet sie einer der jungen Tänzer, der in den letzten Jahren viel von sich reden macht. Juan Tomás de la Molía aus Trebujena ist eine Ausnahmeerscheinung in der jungen Garde und er macht die Diskussion über Tradition und Avantgarde obsolet. Er sucht kein Konzept und man braucht auch kein Handbuch um zu verstehen, was er tanzt. Er tanzt einfach und wie er tanzt. Nicht umsonst wurde er letztes Jahr beim Festival de Jerez mit dem Premio Artista Revelación  für sein Stück Vertebrado ausgezeichnet und gestern Abend bewies er wieder warum er diesen Preis mehr als verdient.

Schon nach wenigen Minuten ertönen die ersten Olés und ein Lächeln erscheint auf den Gesichtern der Zuschauer. Und es ist ein Lächeln purer Freude, das die Mundwinkel automatisch nach oben gehen lässt.

Seine tänzerischen Qualitäten hier zu beschreiben ist überflüssig, dazu müssten Sie ihn sehen. Sein Repertoire an Bewegungen scheint unerschöpflich, jedes Remate, jede Drehung, alle Zapateados sprudeln aus ihm hervor mit einer Natürlichkeit, als wäre er mit ihnen geboren worden. Der Kontakt zum Publikum ist sofort hergestellt, der Funke springt über. Ob in der Alegrías, den Tangos oder der Soleá, es gibt nur wenige junge Tänzer, die den traditionellen Stil verteidigen und dabei so frisch und unbekümmert wirken, als koste das alles keine Mühe. Aber nicht alles ist ein Wirbel an Virtuosität – er kann auch innehalten, sich versammeln, dem Cante seinen Platz geben und die Momente markieren und all das mit seinem Lächeln, das so charakteristisch für ihn ist.

Begleitet an der Gitarre von Juan Campallo mit seinem meisterhaften Toque und den Sängern Canito de Málaga und José El Pechuguita, der mit jedem Tag besser singt, versetzt er das Publikum in jene Euphorie, die der Flamenco so dringend braucht: eine Lebensfreude, die im Körper bleibt.

Juan Tomás de La Molía: Tanz

Juan Campallo: Gitarre

Canito de Málaga: Cante

José El Pechuguita: Cante

Colegio Mayor Isabel de España

23.04.2025

La Macanita und Es lebe Jerez de la frontera!

Tomasa Guerrero, La Macanita, ist eine der großen Stimmen des Cante Gitano de Jerez und als sie am Donnerstag die Bühne des Colegio Mayor betrat hielt das Publikum den Atem an. Sie ist etwas ganz Besonderes und sie live zu sehen und zu hören ist für Aficionad@s ein Muss.

Gestern begann sie mit einem Cante por Trilla, aber schon mit der Solea war alles klar: das versteht man unter einem Cante grande, der Cante jondo der Gitanos de Jerez, bei dem sich mir jedesmal die kleinen Härchen an den Armen aufrichten, als möchten sie nichts verpassen. Konzentriert, tragisch, tief, stieg sie ein in die Soleá, so wie sie sein soll. Ergreifend aber nicht kitschig, und Tomasa musste sich nicht verstellen. Man glaubte ihr ihren Schmerz. Die wunderbare Gitarre von Manuel Valencia kam dann in der Seguiriya zum tragen. Ich glaube nicht, dass es im Moment einen anderen Gitarristen gibt, der sie so meisterhaft begleitet. Das Publikum richtete sich jedenfalls in den Sitzen auf, um keinen Ton zu verpassen. Er ist einer der besten. Und das schon lange.

Über die drei Palmeros  aus Jerez de la frontera weiß ich nichts zu sagen, außer – dieses Soniquete soll ihnen einmal jemand nachmachen. Carlos Merino an der Perkussion hielt sich sensibel zurück und vervollständigte ein perfektes Ensemble.

Das bunt gemischte Publikum war begeistert, auch die jungen Studenten des Colegios spürten, dass sie Zeugen eines ganz besonderen Abends waren.

La Macanita: Gesang

Manuel Valencia: Gitarre

Carlos Merino: Perkussion

Chicharito de Jerez, Manuel Macano, Javier Peña: Palmas

Colegio Mayor Isabel de España

24.04.2025

25 años del Premio Flamenco Tío Luis, El de La Juliana

Das Festival Flamenco Tío Luis, el de la Juliana, ist aus mehreren Gründen einzigartig, beispielhaft und einmalig. Es ist das älteste Flamenco-Festival von Madrid; es ist auch ein privates Festival, das im universitären Umfeld organisiert wird, vom Colegio Mayor Isabel de España, mit dem Ziel, den Flamenco an der Universität zu verbreiten. Die Präsidentin des Colegios María Luisa Muñoz de la Cruz setzt sich dafür seit Jahrzehnten ein und mit dem großartigen Team des Colegios schaffen sie eine Atmosphäre, die von Respekt und der Liebe zum Flamenco gezeichnet ist.

Gegründet im Jahr 1956 fanden hier ab 1970 herausragende Konzerte statt, wie das von José Menese, El Lebrijano, Paco de Lucía oder Mayte Martín.

Der Preis Tío Luis, el de La Juliana als solcher wurde 1999 von dem Journalisten, Schriftsteller und Flamencologen Manuel Ríos Ruiz ins Leben gerufen. Der erste Preis wurde im Jahr 2000 an die Cantaora María Vargas verliehen.

In diesem Jahr ging er an Tomasa Guerrero, La Macanita.

Text: Susanne Zellinger

Fotos Joni: Rafa Manjavacas

Fotos Juan Tomás und La Macanita: Demetria Solana