Das Festival de la guitarra in den Teatros del Canal in Madrid glänzte in diesem Jahr an vier Abenden mit gewagten und interessanten Kombinationen, die hervorragend funktionierten. So standen verschiedene Generationen, Stile und Richtungen gemeinsam auf der Bühne, was eine erfrischende Abwechslung bedeutete.
Falls Sie nächstes Jahr um die Zeit in Madrid sind, sollten sie diesen Termin auf keinen Fall verpassen, es lohnt sich.
Die Kombination Chicuelo, Mayte Martín und Juan Tomás de la Molía habe ich leider verpsäumt, denn da musste ich nach Fuenlabrada zu Marco Flores, an dem ich mich einfach nicht satt sehen kann. Er ist für mich einer der besten Tänzer dieser unglaublichen Generation, er ist ein Prinz, der auch am letzten Abend des Gitarrenfestivals auf der Bühne stand, aber dazu später.
Am zweiten Abend war ich gespannt auf Manolo Franco, den ich schon lange nicht mehr auf der Bühne gesehen habe. Zu meiner Überraschung war er am Beginn ziemlich nervös, und bei seinem Eröffnungsstück, einer Farruca, blieb das natürlich nicht unbemerkt. Er behauptete, sie sei klassisch und ohne Schnörkel, was ich ja gar nicht bestätigen kann, sie war unglaublich reich an variantenreichen Falsetas, mit Anklängen an alle möglichen Stilrichtungen. Genauso großartig wie die darauffolgende Soleá, klassisch aber spannend und wunderschön.
Ángeles Toledano erschien und alles wurde ein wenig sanfter, feiner und leiser. Sie ist so hochsensibel, dass ich mich manchmal im Stuhl vorbeugen musste, aus Angst etwas von ihrem Pianissimo zu überhören. Manche finden sie manieriert und hören sie lieber mit ihrer Frauencombo, ich fand sie wie immer großartig.
Als Javier Barón auf die Bühne sprang wurde wie immer alles ein wenig heller, er hat immer noch diese jugendliche Unbeschwertheit, und seine Bulería hat nichts von ihrem Charme verloren.
Das Foto mit ihm musste ich mir bei Paco Manzano ausborgen, da der Fotograf des Festivals kurz nach Beginn beschloss nachhause zu gehen und da die Tänzer immer erst am Ende drankommen gibt es von ihnen leider keine Fotos. Dankbar waren die Zuschauer auch für den hervorragenden Sound und die beiden Palmeros David el Galli und Emilio Castañeda, für ihren dezenten und doch bestimmenden Compás. Ein Vergnügen.
Festival de la guitarra
Teatros del Canal
24.04.2026
Manolo Franco
Am vierten Abend des Gitarrenfestivals gaben sich José Antonio Rodríguez aus Córdoba, Carmen Linares aus Jaén und Marco Flores aus Arcos de la frontera die Ehre. Wieder eine hochinteressante Zusammensetzung, die aber einige Schwächen hatte. Zumindest für mich. Natürlich ist das auch Geschmackssache und natürlich ist José Antonio Rodríguez ein hervorragender Gitarrist, der genauso gut in eine Jamsession ins Porgy & Bess passen würde. Aber vielleicht bin ich, was die Gitarre betrifft, einfach zu konservativ. Sergio di Finizi am E-Bass und Patricio Cámara an der Perkussio hätten dort auch gut hingepasst.
Seine Solostücke am Beginn waren mir viel zu schräg, zu viele Dissonanzen, zu viele Noten und zu cool. Meine Freunde fanden alles super. Sei’s drum, ich langweilte mich.
Zu Carmen Linares, dieser Grande Dame des Cante flamenco, deren Antología de la mujer en el cante wir einst rauf und runter hörten und für deren Konzerte wir viele Kilometer fuhren, möchte ich nichts sagen, sie ist eine Maestra und ihre gebrochene Stimme zu hören schmerzte mich.
Der Lichtblick Marco Flores kam erst gegen Ende und war wie immer großartig. Was für eine Leichtigkeit, was für eine Bühnenpräsenz, was für eine Musikalität – ein Glücksbringer.
Festival de la guitarra
Teatros del Canal
26.04.2026
José Antonio Rodríguez
Text: Susanne Zellinger
Fotos: Teatros del Canal