Yerai Cortés und eine neue Aera der Flamencogitarre

Er setzte sich auf den einsamen, auf der Bühne bereitgestellten Stuhl, die Gitarre in der Hand und blickte ins Publikum, eine gefühlte Ewigkeit, ohne ein Wort zu verlieren. Dann begann die Malagueña.

Vielleicht braucht er diese Augenblicke nonverbaler Kommunikation mit den Zuseher:innen; vielleicht braucht er diesen Moment absoluter Stille, um anschließend seine musikalische Welt entfalten zu können.

Yerai Cortés Gitarrenspiel ist von bewundernswerter Leichtigkeit, so als wäre es ein Spiel aus frühester Kindheit, eine Selbstverständlichkeit, nicht weiter zu hinterfragen.

Keine Grimassen, die von Anstrengung zeugen, als achtsamer Gitarrist habe ich weder Fehler noch Unsauberkeiten wahrgenommen.

Alles wirkt rund, ausgereift, ausgefeilt und trotzdem verspielt, mit Spaß und Freude daran.

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Innerhalb der einzelnen  Palos dieses Abends jonglierte er mit alten traditionellen Falsetas und musikalischen Figuren und eigenen harmonisch-melodischen Fortschreitungen, stieg in den Rhythmus eines Stiles ein, um ihn in freier Gestaltung wieder zu verlassen, dieses für die Flamencogitarre so charakteristische Spiel der immer neu aneinandergereihten Bausteine.

Das Klopfen des Fußes diente nicht nur der rhythmischen Orientierung, bisweilen erzeugte es auch eine sachte, perkussive Begleitung.

Die ebenfalls auf seinem Album La guitarra flamenca de Yerai Cortés  – 2024, gleichnamiger Film – zu hörenden Einspielungen von Geräuschkulissen und Gesprächsfetzen tauchten auch bei diesem Konzert immer wieder als Hintergrund seines Gitarrenspiels auf.

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Der 30-jährige, mehrfach ausgezeichnete Gitarrist aus Alicante gilt als einer der wichtigsten Protagonisten der modernen Flamencogitarre, der Klang seines Instruments wirkt oft ausgefeilt wie bei klassischen Gitarrenstücken, möglicherweise für manche Puristen zu elaboriert.

Kurzweilig, mit kleinen Überraschungen für Eingeweihte gespickt, war das Programm. Die Bulería por arriba gestaltete er als ständige Fluktuation zwischen Soleá und Bulería, in die Alegría baute er einen durchgehend abgedämpften Escobilla-Tanzbegleitungspart ein, einer Persiflage ähnlich. Ein langes, sehr schönes Tremolo in seiner Farruca und eine abschließende, fast antik wirkende Bulería umrahmten dieses lebhafte, abwechslungsreiche und außergewöhnliche Gitarrenkonzert.

– In Jerez zu spielen, in einer der bedeutendsten Wiegen des Flamenco, ist für mich etwas ganz Besonderes, eine Ehre, die mich auch nervös stimmt – bekannte der Künstler schließlich und bezeugte somit auch verbal seinen Respekt vor den gewachsenen Traditionen dieser Musik.

Yerai Cortés

Museos de la Atalaya

2.3.2026

www.festivaldejerez.es

Fotos: Rina Srabonian

Text: Bruno Chmel