Festival de Jerez: Sergio Bernal – Rodin

Rodin oder nicht Rodin …..

Gestern Abend war eine wunderbare Gelegenheit, sich im Teatro Villamarta mit halb offenen Augen zurückzulehnen und die Musik zu genießen, denn die war großartig, mit vier Streichern, einer Klarinette, insgesamt acht Musikern, die von Rachmaninov bis zu Max Richter wunderschöne Interpretationen boten.

Das Stück hätte narrativen Charakter, sagte der Protagonist Sergio Bernal, und wenn dem so gewesen wäre, wäre ich zufriedener gewesen. Dazu reicht es aber nicht, seinen durchaus perfekten Tänzerkörper zu exponieren, die Denkerpose einzunehmen oder mit dem Hämmerchen in die Luft zu hämmern.

Auch Camille Claudel, Gefährtin, Muse und selbst eine große Künstlerin kam nur als schwebendes Elfchen vor, während ihre Geschichte vor allem ihre Bindung zu Rodin in einer der tragischsten Künstler:Innengeschichte der Historie endet. In einem dreißig Jahre dauernden Aufenthalt in einer Irrenanstalt, aus der sie sich nicht befreien konnte, weil weder der große Auguste Rodin noch ihr Bruder, der Dichter Paul Claudel einen Finger rührten.

Die andere Lösung wäre gewesen, sie überhaupt nicht vorkommen zu lassen, aber was wäre dann noch übriggeblieben von diesem Versuch eines Handlungsballetts? – Der Denker?

Übrigens waren die Texte aus dem OFF vollkommen unverständlich und halfen auch nicht weiter.

Die Kombination aus Klassischem spanischen Tanz, Ballett und Flamenco gefiel dem Publikum wegen seiner Ästhetik, auch wenn wir schon nach fünf Minuten verstanden haben, warum sein skulpturhafter Körper nur eine Unterhose trug.

Nein, ich will jetzt nicht böse sein, aber unter dem Titel Rodin habe ich mir ein etwas komplexeres Werk erwartet.

Sergio Bernal

Rodin

Teatro Villamarta

27.2.2026

www.festivaldejerez.es

Fotos: Rina Srabonian

Text: Susanne Zellinger