Festival de Jerez: Nuevo Ballet Español

Fronteras en el aire

Ein großartiges Stück überraschte uns gestern Abend im Teatro Villamarta. Ein Thema, das uns alle beschäftigt, auf die eine oder andere Weise. Eine Tanzkompanie, die wie aus einem Guss gemacht ist und doch sind alle unterschiedlich und dürfen es auch sein. Eine Choreografie, die man gerne Gesamtwerk nennen darf, sie ist modern ohne sich auf einen Stil festzulegen, benützt aber alle Werkzeuge, die zur Verfügung stehen.

Eine wunderbare Komposition, die sich einfügt in das Geschehen und sich manchmal wie ein seidenes Tuch  darüber legt , so dass dennoch alles sichtbar bleibt.

Eine Sängerin, deren Vater aus einem Land kommt, dessen Namen ich nicht einmal kannte. Ich musste Wikipedia bemühen und da stand:

Guinea-Bissau ist ein Staat in Afrika. Er liegt an der afrikanischen Westküste zum Atlantik zwischen Senegal und Guinea. Seine mehr als 2 Millionen Einwohner gehören verschiedenen Ethnien an, die fünf größten sind die Fulbe, Balanta, Mandinka, Pepel und Manjago.

Tja, wie oft habe ich schon darüber gelacht, wenn jemand Austria mit Australien verwechselte und mich fragte, wie das denn nun mit den Kängurus wirklich wäre. Und da saß ich nun und hatte keine Ahnung.

Die Präpotenz der Europäerin par exellence.

Ein Stück also, das zum Denken anregt ohne belehrend, rechthaberisch oder politisch korrekt zu sein, es fehlt der erhobene Zeigefinger, es weist keine Schuld zu, es sagt die Dinge so, wie sie sind.

Oder wie wir glauben, dass sie sind. Die Sängerin Alana Sinkëy ist in Lissabonn geboren und mit 16 Jahren nach Madrid übersiedelt, aber für uns ist sie Afrika, dunkel, ruhig, stark und erinnert uns daran, dass es Länder gab, in denen das Matriarchat die Gesellschaftsordnung prägte.

Sie ist eine Lichtgestalt, die die Schattenbilder um sich herum überstrahlt, die sich in Zeitlupe um sie drängen.

Ich könnte schwören, ich hätte jedes Wort ihrer Lieder verstanden, ohne ihre Sprache zu verstehen.

Ich erinnerte mich an die südafrikanische Tänzerin Dada Masilo und ihre Interpretation von Schwanensee in der sie afrikanischen Tanz mit klassischem Ballett vermischte, da hatte ich ein ähnliches Gefühl.

Die Choreografien für dieses junge Ensemble von Ángel Rojas erzeugten Bilder, die nicht so schnell zu vergessen sind. Wie sehr ihm das gelungen ist, werden wir morgen sehen, wenn wir aufwachen. Die Sonne wird orange sein und die Farbe des Kleides von  Alana Sinkëy haben.

Nuevo Ballet español

Fronteras en el aire

Teatro Villamarta

21.2.2026

www.festivaldejerez.es

Fotos: Rina Srabanian

Text: Susanne Zellinger