Ich bekenne, ich habe gelebt
Mit Lo inédito von Susana Lupiañez Pinto, La Lupi, endete gestern das offizielle Programm des XXX Festival de Jerez. Es begann vielversprechend mit einer Lupi im knallgelben Kleid mit Bata, einer horrenden schwarzen Perücke, Blume, Fächer, Schal, Ohrringe und allem was man sich so vorstellt, wenn man auf dem Kreuzfahrtschiff zum ersten mal Flamenco sieht. Das alles wird ihr von dem jungen, zeitgenössischen Tänzer Iván Amaya Stück für Stück weggenommen und obwohl sie sich wehrt, steht sie am Ende in Unterwäsche da. Davor gibt es aber einiges zu lachen, denn ihr Konflikt mit den Musikern, die ihr keine Beachtung schenken und den Bühnentechnikern, die ihr fast den Vorhang auf den Kopf fallen lassen ist wirklich sehr gelungen.

Nicht zu vergessen die großartige Alegría von Alfredo Tejada, die mitten im Tumult ihren Platz findet und verteidigt.
Ab dann verlor sich das Stück in ein Gewirr von Szenen, denen ich leider nicht folgen konnte und ich glaube nicht, dass es allein meiner Erschöpfung geschuldet war. Es war wieder einmal ein Stück, das nach einer Dramaturgin schrie, aber keine Antwort bekam.
Das liest sich in meinen Aufzeichnungen dann ungefähr so: Er liegt am Boden und sie setzt sich auf ihn drauf, die Gitarre spielt und er wälzt sich auf dem Boden, sie posen, was macht er überhaupt unter ihrem Rock? Und so geht es weiter.
Dazwischen eine schöne Szene mit drei Mantons, einem inspirierten Cante und einer feinen Gitarre von Antonio González.

La Lupi geht ans Mikro und beginnt ihre Confesiones, die einer Beichte gleichkommen oder einem Bekenntnis: Sie wissen schon, jener Moment, an dem ich meine Mutter fragen musste, was ich denn im Beichtstuhl sagen sollte, weil ich nicht einmal wusste, was eine Sünde war.
Ein schöner Moment dennoch, lässt er uns doch in die Seele blicken, in die der Künstlerin und in die der Frau, wo sie ihre Träume enthüllt, wie zum Beispiel Me he perdonado no ser la bailaora que quise ser – Ich bekenne, dass ich mir verziehen habe, dass ich nicht die Tänzerin bin, die ich einmal sein wollte.

Den Abschluss machte eine Soleá, begleitet von Curro de María, bei der sie eine Maske trug, hinter der sie sich wohl manchmal verstecken musste. Die Künstler sind sensible Wesen, auch wenn man das manchmal vergisst.
La Lupi
Lo inédito
Teatro Villamarta
7.3.2026
Fotos: Rina Srabonian
Text: Susanne Zellinger