Von der Erde zum Himmel …
Eres alto y delgado – der Text von Rolando Alarcón kam mir als erstes in den Sinn, als José Maya sich von der Bank erhob und zu tanzen begann. Vor den besten Projektionen, die bei diesem Festival zu sehen waren. Inspiriert von den Werken des amerikanischen Malers Mark Rothko, Sohn jüdischer Eltern, geboren in Lettland, die mit ihm vor den Pogromen in die USA flüchteten, erinnerte José Maya zu Beginn an die tragische Geschichte dieses berühmten Künstlers, der sich durch Selbstmord aus dem Leben flüchtete.
Ich erinnerte mich an eine große Ausstellung von Rothko in Wien und an dem Moment, als ich lange vor einem seiner Bilder stand und das Gefühl hatte, als würde es mich hineinziehen. Nun den gleichen Effekt erzielten diese riesigen Projektionen, bei denen man über Berge und Meere flog und sich ab und an vor den in die Landschaft gestellten Bildern fand.

José Maya ist ein Tänzer von großer Strahlkraft, virtuos in der Technik aber auch im Ausdruck, tänzerisch leicht aber kraftvoll, wirkte er in keinem Moment verloren auf der riesigen Bühne, ganz im Gegenteil, er beherrschte sie in jedem Moment.
Konzentriert aber nicht verbissen, variantenreich aber kontrolliert, überragend in der Bulería, wobei man das Gefühl hatte, dass er nicht einen einzigen Schritt wiederholt. So legte ich immer wieder mein Büchlein zur Seite, so gebannt war ich von seiner Kunst.

Gegen Ende überraschte er dann noch mit seinem Cante, nicht nur mit einem kleinen Cantecito, nein, mit einem Cante por Bulería, begleitet nur von seinen in diesem Fall fast zarten Zapateados, mit dem er das Publikum zu einer Welle von Olés verführte.
Begleitet wurde er an der Gitarre von dem jungen Jerezaner Marcos de Silvia, der mit einer Fantasía bezauberte und von dem noch viel zu erwarten ist. Schön auch der Cellist Batio Hangonyi, der eigentlich vom Jazz kommt, aber auch er fügte sich wunderbar ins Ensemble ein.

Die Cantaora Delia Membrive war für mich eine Neuentdeckung und ihr Fandango war einer der besten, die ich bei diesem Festival gehört habe.
José Maya in der Farruca, der Seguiriya und der Cantiña in die er einige Schritte der Jota einband, war die ganze Zeit in enger Verbindung mit den Sängern, Gabriel de la Tomasa, José del Calli und der schon erwähnten Delia Membrive aus Granada.

Der Abend fand seine Fortsetzung in der Bar La Reja, wo auch José Maya durch einen Cante zur Juerga beitrug, er ist ein außergewöhnlicher Künstler, innovativ, ideenreich und sein Tanz entwickelt die gleiche Anziehung wie die Bilder von Rothko.

Ihn endlich auf einer großen Bühne zu sehen war ein Glücksfall.
José Maya
Color sin nombre
Teatro Villamarta
6.3.2026
Fotos: Rina Srabonian
Text: Susanne Zellinger