Wie ein Traum zog gestern das neue Werk dieses großartigen Tänzers Jesús Carmona an mir vorüber und zog mich in seinen Bann. Wie eine Ertrinkende in einem Strudel des Meeres versank ich in der großen, leeren Bühne des Teatro Villamarta, gefangen und unfähig mich der Faszination zu entziehen, die er immer wieder auf mich ausübt.
Ich legte mein Büchlein zur Seite und gab mich einfach hin.
Nur Bilder sind geblieben und La Rosa von Pepe Marchena
Es war ein lächelnder Garten.
Es war ein ruhiger Kristallbrunnen.
An seinem Rand stand
eine makellose Rose aus einem Rosenstrauch.
Der Gärtner, der sie pflegte und liebte konnte nichts tun, als er kam, der Grausame und sie vom Rosenstrauch schnitt
Wer dich liebt, liebt dich auch
Mit Glauben und Zärtlichkeit gleichermaßen
Wer hat dich vom Zweig abgeschnitten
Dass du nicht mehr am Rosenstrauch bist?
Für mich ging es gestern Abend um die Liebe, die Schönheit, den Glauben und den rettenden Engel. Vielleicht hatte ich auch nur einen sentimentalen Moment, weil Vollmond war, aber was macht es schon aus …

Es gab viele der zärtlichen Momente, als Carmona seinen Tänzer:innen die Schuhe anzog, eine wunderbare Petenera, die er von der Ferne betrachtet, ein Paso a dos voll Sehnsucht und Liebe, die sternenklaren Stimmen von Teresa Hernández und Gabriela Jiménez, aber auch die Momente der Erkenntnis, als ihm die hunderte von Tamborinen aus den Händen fallen, obwohl seine Tänzerinnen sie ihm eifrig auf seine Arme türmten.

Die Solos von Carmona, seine schwindelerregenden Drehungen, seine tänzerische Virtuosität, seine Bühnenpräsenz und seine Ehrlichkeit, seine Großzügigkeit mit der er seine Begleiter:innen ins Scheinwerferlicht holt, sein Mut aber auch seine Verletzbarkeit beeindruckten mich wieder. Nicht zum ersten mal.

Als Zugabe schien er mit den verspielten Sevillanas Corraleras mit den Panderetas zu sagen – Alles halb so wild, meine Lieben, das Leben geht weiter.

Jesús Carmona
Tentativo. Basado en hechos reales
Teatro Villamarta
4.3.2026
Fotos: Rina Srabonian
Text: Susanne Zellinger