Das neueste Werk von Rafael Estévez und Valeriano Paños ist von solcher Exzellenz in choreografischer Hinsicht, dass es überflüssig ist es einzuordnen oder es jedwedem Stil zuzuschreiben. Es ist einfach genial, wie es ihnen gelingt, die sieben Tänzer – José Alarcón, Jesús Bergel, Pol Martínez, Manuel Montes, Jorge Morera, Jesús Perona und Yoel Vargas – in den eineinhalb Stunden, die wie im Flug vergehen in komplexen Choreografien vom Flamenco über den zeitgenössischen Tanz bis zu Tango und Charleston, Discotanz, Urban Dance und leisen Anklängen an die Szenenwechsel, die wir aus Musicals kennen, die Bühne beherrschen lassen. Es darf sogar gelacht werden, ein seltenes Vergnügen, keinen Moment pathetisch, einfach großartig.

Die Basis oder die Quelle der Inspiration ist der klassische Gitarrist Ramón Montoya, dessen Stücke ein unglaublicher Alejandro Hurtado in einer Perfektion interpretiert, die von seltener Schönheit ist. Und auch das ein Wagnis, das funktioniert: ein Gitarrist und neun Tänzer. Dabei ein Gleichgewicht zu schaffen ist schon eine ziemliche Herausforderung, aber es gelingt. Was dabei auch eine Rolle spielte ist die Lichtregie von Olga García, die wieder einmal zeigt, wie’s gemacht wird.

Der Titel Doncellas verleitete zu falschen Schlussfolgerungen, er bezieht sich aber nicht auf irgendwelche Genderfragen sondern auf ein Gedicht von Federico García Lorca, in dem er die sechs Saiten der Gitarre als Doncellas bezeichnet.
Schon der Beginn, wenn Alejandro Hurtado auf dem Podest sich den sieben Tänzern gegenüber sieht, die mit dem Rücken zum Publikum auf ihren Stühlen sitzen, ist originell und was dann folgt, geht durch viele Palos, von der Farruca über Tangos, Guajira, Caña und viele mehr, und die Tänzer, von denen auch jeder seinen Solopart bekommt, ruhen in keinem Moment.

Bei ihren atemberaubende Piruetten und exakten Zapateados ist das ja selbstverständlich, aber selbst wenn sie alle am Boden liegen oder betrunken über die Bühne schwanken, ja selbst wenn sie nur mit der Schulter zucken, ist alles in Bewegung und voller Energie.
Das Klicken der Kameras war zu spüren, nicht zu hören, aber ich verstand, denn eigentlich wollte man hier jeden Moment festhalten, so viele schöne Momente und Bilder gab es.

Das Anhängsel im Titel – juerga permanente – weist auf die Schattenseiten der Juergas in jenen Zeiten hin, als sich die Künstler ihr Geld hart verdienen mussten, ohne zu wissen, ob am Ende der Juerga etwas für sie herausspringen würde.

Aber auch ohne inhaltlich immer verstehen zu können, warum es geht, war durch diese choreografische, musikalische und tänzerische Glanzleistung der Abend ein herausragender, dem hoffentlich noch viele folgen mögen.
Estévez/Paños y Cia
Doncellas (juerga permanente)
Teatro Villamarta
24.2.2026
Fotos: Rina Srabonian
Text: Susanne Zellinger