Was ist das schönste Gefühl für eine Kritikerin? Wenn ihre Erwartungen übertroffen werden! Geschehen gestern Abend im Teatro Villamarta mit der Vorstellung von María Moreno. Nicht umsonst trägt es den Titel Magnificat. Das Magnificat ist ein Lobgesang und in diesem Fall ein Lobgesang auf das Leben, die Freude und die Kunst.
Ich liebe María Moreno und meine Erwartungen waren hoch. Sie ist für mich nicht nur eine der besten, sondern auch eine der schönsten Tänzerinnen des Moments. Sie hat, abgesehen von ihrer Kraft und ihren tänzerischen Fähigkeiten eine Grazie, die nur wenige besitzen. Sie ist einfach bezaubernd, sagt meine Freundin Dorothee.

Ihre Detailverliebtheit fiel mir diesmal auch wieder auf, diesmal ging es um die Farbe rot, die da steht für Liebe, Leidenschaft, Energie oder Feuer. So wie Marias feuerrote Strumpfhose, die Schuhbänder und das Zipfelchen auf der Mütze von Roberto Jaen, die Feder auf dem Helm von Raul Cantizano und die rote Leuchtschrift, die im Hintergrund läuft.

Ihr kraftvoller Tanz, der Freude verströmt war ein reines Vergnügen, ihr Duett mit Roberto Jaén oder ihre Prozession mit den verwelkten Blumen – übrigens das einzige, was an die Jungfrau erinnerte, aber auch ihr großartiger Tanz mit dem Mantón in der Stille , ihre spaßige Konversation im Höllentempo mit Rosa Montero, ihr virtuoses Kastagnettenspiel bei der Seguiriya mit dem Gesang von Miguel Lavi – das alles war einfach nur meisterhaft.
Als dann Raul Cantizano die E-Gitarre auspackte war es allerdings aus mit der Ruhe und es wurde gerockt, dass die Wände wackelten.

Den Hintergrund bildete ein buntes Pottporri aus Stühlen verschiedenster Konvenienz und die Lichterketten erinnerten an einen warmen Sommerabend, der zum Tanzen einlud, Das Gezirpe der Grillen durfte natürlich nicht fehlen.

Als der Abend nach einer Stunde und zehn Minuten sein abruptes Ende fand, hätten wir gerne noch weiter teilgehabt an diesem Zusammensein und verließen nach einer mächtigen Ovation glücklich den Saal, mit einem Lächeln im Gesicht. Das war das Stück, das uns noch gefehlt hatte und dafür sind wir ihr dankbar. Ein wahres Magnificat.
Compañía María Moreno
Magnificat
Teatro Villamarta
5.3.2026
Fotos: Esteban Abión
Text: Susanne Zellinger