Ángeles Toledano: Me gusta cantar sentada
Nachdem der gestrige Abend bedeutungslos war, erinnere ich mich heute an den Abend davor in der Bodega de los Apostoles. Ángeles Toledano präsentierte hier ihre neue Platte Sangre Sucia im blendenden Gegenlicht. Das Licht war so wie sie selbst. Unbekümmert, hell, voll Freude über das volle Haus, aber auch kompromisslos, eigenwillig und selbstbewusst.
Wenn man sie so sieht, in ihrer Schönheit und mit ihrem Leuchten, vergisst man gerne, dass sie kein Sternchen ist, das plötzlich auftauchte und genauso schnell wieder verschwinden wird. Sie hat einen langen und sicher nicht immer gemütlichen Weg hinter sich und wenn sie da ist, wo sie ist, hat sie sich das hart erarbeitet.

Sie stand schon mit acht Jahren auf der Bühne und ihre Kindheit verbrachte sie mit ihren Eltern oft im Auto, auf dem Weg von einer Peña zur nächsten.
Aber jetzt ist sie hier und was Rosalía nicht gelang wird vielleicht ihr gelingen. Denn sie ist absolut ehrlich und was ihr ein Anliegen ist, teilt sie mit. Sie liebt ihre Freundinnen und der Feminismus ist kein Etikett, das sie sich um den Hals hängt.
Ihre Stimme schafft den Übergang zwischen laut und leise, zwischen aggressiv und verletzlich ohne Mühe.

In ihrer Soleá, begleitet von einem Sequenzer, den sie selbst bediente, überraschte sie von Beginn an. Wie ein kleines Mädchen auf ihrem Spielzeug Piano drückte sie die Tasten. Sie gestattete dem Publikum nicht, sich an sie zu gewöhnen, was dann auch nicht nötig war. Wir liebten sie vom ersten Moment an. Und nicht nur, weil sie wunderschön ist.
In der Taranta war sie sanfter als es möglich war und kroch den Aficionados unter die Haut, in ihrem Tribut an Las Grecas waren wir gerührt. Benito Bernal an der Gitarre, Manu Masaedo und ihre Freundinnen Belén Vega und Sara Corea an den Vocals unterstützten sie durch ihre Komplizität und ihr Können.

Die Lichtshow war ungewöhnlich aber einleuchtend (sic!), die Inszenierung perfekt.
Hören Sie sich die Platte an, oder noch besser: gehen Sie in ihr Konzert, wenn sie in der Nähe ist. Es lohnt sich.
Ángeles Toledano
Sangre Sucia
Bodega González Byass
27.02.2025
Fotos: Tamara Pastora
Text: Susanne Zellinger