Melchora Ortega presenta La Memole y su Combo flamenco en „Por los pelos“

Mit Sicherheit der längste Titel und er hat auch Erklärungsbedarf, zumindest bei uns. Melchora Ortega ist, abgesehen davon, dass sie die Frau von David Lagos ist und die Mutter seiner drei Kinder, eine großartige Cantaora, hat ein erdbebengleiches Temperament und Haare, die jede Frau vor Neid erblassen lassen. Die Männer sowieso.

La Memole ist eine Referenz an ihre Kindheit, als im Fernsehen eine japanische Serie lief, deren Hauptfigur ein kleines Mädchen war, Melchora sehr ähnlich, woraufhin all ihre Freunde sie Memole nannten.

Das mit den Haaren hat einerseits mit Melchora selbst zu tun, aber auch mit den vielen Redewendungen, in denen Haare vorkommen, in Spanien wie bei uns: Haare auf den Zähnen haben, um ein Haar, an den Haaren herbeigezogen uswusf.

Melchora ist die mit den Haaren, la de los pelos.

Wir befinden uns in einem Cabaret-Varieté des vergangenen Jahrhunderts, verraucht, mit kleinen Tischen und einem Klavier. Eine Tänzerin, Sänger und Musiker begeben sich auf eine Reise durch alle möglichen Stile, vom Jazz über den Tango zur Copla, zum Pasodolble und zum Couplet und dazwischen eine Seguiriya, die dir das Herz zerreißt. Melchora Ortega hat eine unglaubliche Stimme und wie ihr großes Vorbild Lola Flores eine großartige Stimme und eine Ausstrahlung, der man sich schwer entziehen kann, man will es auch gar nicht, sie verströmt so eine positive Energie, dass alles plötzlich ganz leicht erscheint.

David Lagos, der Mann ihres Lebens hält sich zurück und gibt ihr den Platz, den sie verdient, sie wagen auch ein kleines Tänzchen, intim, berührend und schön.

Santiago Lara an der Gitarre, Perico Navarro an der Perkussion, Diego Villegas am Sax,  Bassist Antonio Corrales und Alejandro Rojas Marcos, da wird die Bühne zu klein, sie spielen alles und zwar hervorragend. Eine besondere Erwähnung verdient Isabel Bayón und jetzt ist mir auch klar, warum sie ihr „Dju-Dju“ unbedingt brauchte, die heiß diskutierte Aufführung unter Israel Galván bei der Biennale in Sevilla. Noch nie habe ich sie so frei, so präsent und so sinnlich erlebt. Sie singt, tanzt und performt, lässt die klassische Schule daneben her laufen wie einen Pudel, und beschert uns einen der schönsten Momente des Abends mit dem Bolero „Si tú supieras“.

Sala Paúl

27.2.2017

„La Memole….“

Regie: Francisco López

Foto: Javier Fergo