A canela y clavo – Zimt und Nelken – ist ein Ausdruck, den ich wohl kenne, wo ich aber nicht genau weiß, was es bedeutet, außer dass es gut riecht. Genauso ging es mir gestern im Teatro Maestranza mit einem Großaufgebot von Künstlern, die ich bewundere, von José Valencia, Esperanza Fernández und Duquende über Juan Parrilla und Juan Requena bis zu einem meiner All -time-favorites Pepe Torres.
Insgesamt standen manchmal 16 Künstler auf der Bühne.
Dennoch sprang der Funke, zumindest bei mir erst gegen Ende über, das mag an der Größe der Bühne liegen, an dem Platz, an dem ich saß, aber auch an der Inszenierung, die mich ein wenig an die Fernsehshows der 70er Jahre im Fernsehen erinnerte.
Erst in der Seguiryia mit den drei Sängern gemeinsam regte sich in meinem Inneren etwas von Gefühl und Emotion.
Die Gitanos standen im Vordergrund und waren sowohl musikalisch das Thema als auch durch die Protagonisten des Abends. Esperanza Fernández begann mit der Hymne der Roma, dem Gelem Gelem, schon oft gehört, und diesmal ein wenig zu theatralisch, wie auch in der Petenera. Sie ist wirklich gut bei Stimme, aber ich höre sie lieber in kleinerem Rahmen.
Duquende rief bei seinem Auftritt schon vor dem ersten Ton heftigen Beifall hervor, er ist so sehr mit einer Zeit verbunden, die wir immer noch herbeisehnen, die aber nicht mehr zurückkommt.
Die Saeta, die Canasteras als Hommage an Camarón de la Isla aber auch seine Cantes Mineras waren sehr authentisch, wahrhaftig, da war nichts Gekünsteltes, wofür ich immer dankbar bin.
José Valencia ist einer der ganz großen Sänger der Gegewart und gerade heute hat Manuel Bohórquez über ihn geschrieben im Correo de Andalucía:
José Valencia Vargas, der als Kind Joselito de Lebrija hieß und seit langem als José Valencia bekannt ist, gilt als die vielleicht beste Stimme des heutigen Cante unter den Künstlern seiner Generation. Ich begann, ihn zu verfolgen, als sein Großvater ihn in den 80er Jahren zu den Peñas und Festivals in der Provinz Sevilla mitnahm. Schöner als ein San Luis, mit noch kindlicher Stimme, sang er die Bulerías al Golpe aus Lebrija und man hoffte, dass er niemals aufhören würde zu singen. Es war ungewöhnlich, dass in diesem schlanken, jugendlichen Körper ein so auffälliger Duende wohnte, der Hoffnung weckte. Und wir, die wir auf diesen Cantaor gesetzt haben, haben uns nicht getäuscht.
Die Stimme dieses Gitanos mit Wurzeln in Lebrija ist in der Lage, selbst eine Marmorstatue voller Gefühl tanzen zu lassen.
Über Pepe Torres habe ich schon oft gesprochen und er begeistert mich noch immer. Dieser Tänzer aus Morón de la Frontera ist etwas ganz Besonderes, er ist so anders, intuitiv, frisch und freudig, dass mir jedes Mal das Herz aufgeht. Egal wo er tanzt, ob in der Peña oder auf der großen Bühne, egal wer singt – diesmal ein großartiger El Galli – begeistert er ein Publikum, ob es nun aus Aficionados besteht oder aus Laien, die keine Ahnung vom Flamenco haben. Nazaret Reyes wirkte daneben fast wie eine Karikatur der wilden Gitana, irgendjemand sollte ihr einmal sagen, dass weniger oft mehr ist.
Die Musikerinnen waren gut, das Licht einfallslos und ein wenig mehr Regiearbeit hätte auch nicht geschadet, aber bei einer Bienal ist die Bandbreite sehr groß und so finden auch Inszenierungen mit Showcharakter hier ihren Platz. Heute Abend geht es mit Andrés Marín ja ans andere Ende des Fächers und das ist auch spannend.
A canela y clavo
Esperanza Fernández, Duquende, José Valencia
Teatro Maestranza
24.9.2026
Fotos: Laura León
Text: Susanne Zellinger