Das Kunstück der Sara Jiménez
Sara Jiménez gelingt es immer uns zu überraschen. Nach dem sensationellen Erfolg mit ihrem silbernen Vogel mischte sie sich diesmal unter das fahrende Volk. Unter die Zirkusleute, die alles können. Hat sich der Trapezkünstler den Fuß verstaucht, muss er eben singen und wenn die Sängerin heiser ist, stellt sich der Tierpfleger hinter den Vorhang und tut, was er kann.
So dauerte es auch gestern ein Weilchen, bis ich mich fragte, ob Mariana Callado ihre hinreißend komische Sevillanas eigentlich selber sang oder nicht. Die Meinungen waren geteilt, aber begeistert waren alle.

Ana Polanko, die aussah wie ein rotes Lutschbonbon, sang eine Mariana, wie immer großartig bei Stimme, kraftvoll und strahlend, in ihren Duos mit Teresa Hernández lässt sie keine Wünsche offen. Einfach großartig. Nicht zu vergessen natürlich die poetische Gitarre von Raúl Cantizano, der sie begleitet.

Bis es dazu kommt reden alle durcheinander, beschweren sich bei der Technik und bei den Bühnenarbeitern und stellen schließlich ihre Kisten selber auf.
Diese zwanzig Kisten in Cajóngröße müssen für alles herhalten, vom Tisch bis zum Zirkuswagen über das Zirkuszelt, von Sitzgelegenheiten über die fliegende Treppe über die Teresa Hernández schreitet.

Sara Jiménez erfreut in der Guajira und tanzt wie immer hervorragend, ist aber das ganze Stück über präsent, wie alle von der Truppe.
Dazwischen muss Julio Ruiz ein Kunststück zeigen, dafür darf er dann Tangos tanzen und ein Mädchen heben und Sara scheidet aus dem Leben, aber der Zirkuswagen zieht weiter.

Man könnte das Stück natürlich auch als Parabel auf das Leben sehen, da passiert ja auch immer alles gleichzeitig. Die Geburt und der Tod, das Glück und das Unglück, das Lachen und Weinen.
Geweint haben wir wenig auf dieser vergnüglichen Reise und das Lächeln begleitete uns bis nachhause. Ein seltenes Vergnügen.
Sara Jiménez en compañía
La Compañía
Teatro Central
29.09.2026
Fotos: Laura León
Text: Susanne Zellinger